Stefan Kern, Communication Manager / PR-Berater - 13. Mrz 2017
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Im Gespräch mit der Werbewoche erzählt unser Creative Director, Reto Schild, was die Produktion der 360°-Videos so herausfordernd machte – und wieso nicht nur die gezeigten Protagonisten Weltklasse sind.

Dies ist eine Abschrift aus der Werbewoche, Nr. 5/2017. Artikel als PDF downloadenArtikel als PDF downloaden.
Das Interview führte Thomas Häusermann, Werbewoche

Die Kampagne ist angelaufen – funktioniert sie wie geplant?
Die vielen Views erfreuen uns, denn das sind 1:1 nachvollziehbare Zahlen. Wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt über drei Millionen Views auf Facebook. Bereits nach einer halben Stunde waren es 500 000 Views. Rund eine halbe Million haben die Videos in den verschiedenen Sprachversionen auf Youtube gesehen. Die Zahlen sind schon erstaunlich, wir stechen da auch im Vergleich mit anderen Manchester-United-Videos etwas heraus.

Ist die Kampagne als reine Viral-Kampagne gedacht oder werden die Spots auch geschaltet?
Es ist eine aus vier Filmen bestehende Viral-Kampagne, die auf Facebook und Youtube basieren.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Gemeinsamkeiten von Tradern und Spitzenfussballern zu thematisieren? Die liegen ja nicht gerade auf der Hand...
Doch, ich denke schon. Wir betreuen das Sponsoring-Engagement von Swissquote schon länger, zuvor auch bei der Formel 1. Seit das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Manchester United begonnen hat, geht es darum, Big Data als Brücke zwischen den beiden Partnern zu beleuchten.

Fussball und Big Data – was hat man sich darunter vorzustellen?
Vor wenigen Jahren lernte ich an einer Start-Up-Messe in Dublin eine auf Big Data basierende Technologie namens «Football Recruiter» kennen. Besonders auf dem Transfermarkt ist sie heute stark verbreitet. Der Vergleich liegt eben doch auf der Hand: Die Ausgangslage sind Daten. Im Training ist jeder «verchipt», alle Daten werden erfasst. Das ergibt die perfekte Ausgangslage, um das optimale Team aufzustellen, um Verletzungen zu antizipieren, den Formstand zu checken.

Hinter den Kulissen ist Fussball also viel technologisierter, als man denkt.
Definitiv. Selbst in der Super League wird mittlerweile viel gemessen. Das wurde in den letzten zwei, drei Jahren zum ganz grossen Thema. Die grosse Schwierigkeit ist dann natürlich, die richtigen Schlüsse aus den Daten zu ziehen, sie richtig lesen zu können. Da spielen auch wieder menschliche Faktoren mit. Aber im Vergleich mit einer Bank, die vor allem im Forex Trading ausschliesslich auf automatisch erstellte Analysen setzt und damit auch die bestmögliche Voraussetzungen für einen Trade schafft, sind die Parallelen schon sehr gross.

Wie einfach ist es, mit einer Weltmarke wie Manchester United eine Kampagne umzusetzen?
Es war ein langer Weg. Wir sind pro aktiv mit der Idee der 360°-Videos auf die Beteiligten zugegangen. Eine spezielle Idee, denn normalerweise erhält man bei solchen Sponsoring- Kampagnen drei Spieler und hat dann die Möglichkeit, diese auf fotografischer Basis zu inszenieren. Wir sind anhand der Similaritäts- Idee auf die 360-Grad-Lösung gestossen. Es brauchte viele Meetings und Gespräche. Nicht nur mit Swissquote, auch mit Manchester United. Die waren zum Glück von Beginn weg begeistert und fanden, sie könnten hier einmal etwas anderes zeigen, als bei sonstigen Sponsoring-Aktivitäten.

Was war die grösste Herausforderung bei der Kampagne?
Ich denke die Produktion, weil es sowas noch nie gab. Wir schauten verschiedene Möglichkeiten an, prüften ob man alles in einem Greenscreen drehen kann und die Kulissen dann im Computer mittels 3D-Welt erschaffen soll. Mir wurde schnell klar, dass man vor Ort mit echten Studiokulissen drehen muss, damit das Ganze möglichst echt wirkt. Man konnte die Spieler nicht für einen ganzen Tag nach Hamburg fliegen lassen, um dort zig Takes zu drehen. Sondern man musste alles so vorbereiten, dass die minimale Zeit, die wir mit den Spielern zur Verfügung hatten, reichte. Angedacht waren einmal 20 Minuten pro Spieler …

Das klingt nicht nach allzu viel Zeit.
(lacht) Das tönt nach wenig Zeit, aber das bin ich mir gewohnt von Fotoshootings mit Manchester United. Die sind oft noch weniger lang. Das bedeutet einfach, dass man bis auf den letzten Millimeter alles vorbereitet haben muss.

Reichten die 20 Minuten am Ende aus?
Der Zeitplan lag also vor. Irgendwo zwischen Regeneration vom Spiel des Vortags und dem Training war die Zeit reserviert für den Dreh. Eigentlich hätte auch Zlatan Ibrahimovic kommen sollen, was mich persönlich gefreut hätte. Dann hiess es plötzlich: «Zlatan ist verhindert und kommt nicht, dafür kommt Fellaini». Dann kam es nochmals zu einer Planänderung. Am Schluss standen die teilnehmenden Spieler alle gleichzeitig da, statt hintereinander (lacht). Wir hatten dann aber selbstverständlich nicht anderthalb Stunden, sondern eben genau diese 20 Minuten. In dieser Zeit mussten wir den Film drehen, wir machten Interview-Clips begleitend zur Kampagne, es wurden Porträt-Shoots gemacht …

Alles in 20 Minuten?
Genau (lacht). Wir waren aber zum Glück optimal aufgestellt, haben uns eineinhalb Tage vorbereitet. Drei Sets waren bereit, eines mussten wir umbauen. Aus Erfahrungen von früheren Shootings wusste ich, dass wir vor allem den Umbau trainieren müssen, damit alles so schnell wie möglich über die Bühne gehen kann. Wir waren daher ziemlich entspannt, als die Superstars schliesslich kamen, denn wir wussten, dass alles funktionieren wird. Was dann gottlob auch der Fall war. Eigentlich mag ich den Speed und einen solchen Workflow: Alle sind hoch konzentriert, man kann mit relativ grosser Ruhe arbeiten, es geht vorwärts und alle wissen, was sie tun müssen.

Wie waren die Fussballstars im Umgang? Gab es überhaupt einen Austausch oder lief alles distanziert ab?
Viel Zeit hatten wir wie gesagt nicht. Mit Wayne Rooney habe ich insgesamt rund fünf Minuten gesprochen. Ich habe ihm die Szenen vorgespielt. Wir machten vorgängig Probedrehs mit uns in der Rolle der Fussballer. Als wir danach drehten, war nach dem dritten Take alles perfekt. Er wusste genau, wie er sich verhalten musste – absolut professionell. Auch bei den Shootings: Man drückte 80-mal ab und hätte danach fast alle Abzüge verwenden können. Das sind sich die Profis gewohnt.

Sie haben sich für die 360-Grad-Technologie. Sind die Zuschauer nicht langsam gesättigt von solchen Videos?
Sie sind schon lange zum Standard geworden. Wenn man heute ein 360-Grad-Video macht, ist das nichts mehr Neues. Heute geht es vor allem um die Idee dahinter. 360-Grad ist nur die Technologie, keine Idee. Dass man hingegen zwei 180-Grad-Videos kombiniert, ist sicher etwas, das es bisher noch nicht gab. Aus der Technologie lässt sich noch viel herausholen, indem man versucht, kreativ mit ihr umzugehen. Etwas, was uns als Agentur immer am Herzen liegt. Wir hatten anfangs die Idee und suchten dann nach der passendsten Technologie, nach dem besten geeigneten Medium für die Dramatisierung. 360-Grad-Videos ermöglichen mehr Interkation und erhöhen die Spannung. Die meisten schauen den Film mehrere Male an, weil sie beim ersten Mal nicht alles gesehen haben. Das hohe Mass an Involvierung kennt man sonst nur von Games. Alles in allem liegt bei 360°-Videos noch einiges drin, die Musikindustrie liefert hervorragende Beispiele, Youtube selbst hat schon spektakuläre Geschichten gemacht – wenn auch vermutlich mit anderen Budgets (lacht).

Ist die Technologie Ihrer Meinung nach eher ein Zwischenschritt zu einem nächsten grossen Ding, oder es ist es nur eine Mode, nach der man früher oder später wieder zu «normalen» Videos zurückkehrt – weil vielleicht die Zuschauer am Ende doch lieber einfach nur zuschauen wollen, ohne sich dabei aktiv zu betätigen?
Ich glaube sowohl, als auch. Für mich geht’s ganz klar Richtung Standard: 360-Grad wird als eigenständiges Format bestehen bleiben und einen Status erlangen wie ein normales Bild. Schon heute kann man dank Aufsteckadapter mit dem Handy 360°-Aufnahmen machen. Das neue iPhone soll eine 360-Grad-Kamera bieten, mit der man so etwas entsprechend umsetzen kann. Eine Kollegin postete auf Facebook kürzlich ein 360-Grad-Foto und kommentierte darunter, sie wisse gar nicht mehr, wie man ein normales Bild mache (lacht).

Sie haben am Anfang erwähnt, dass die Kampagne am besten auf Facebook funktioniert. Warum?
Das hat unter anderem mit der Qualität zu tun. Wir haben zum Teil mit 8 bis 14k gefilmt – dafür gibt es heute noch gar keinen Player. Wir haben die Filme in 4k produziert. Facebook hat zurzeit den etwas besseren 360-Grad-Player als Youtube. Youtube will aber nachziehen. Wir standen mit Google in Dublin in Kontakt und haben versucht, dass die Bildqualität gesteigert werden kann. Dieser Entscheid ist noch offen. Was die Qualität betrifft, ist unser 360-Grad-Video das beste, das bisher produziert wurde – und man könnte es theoretisch noch in höherer Qualität ausspielen, wenn es die entsprechenden Player gäbe.

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